Das 3. Kapitel gehe ich ebenfalls bezüglich des Inhalts ahnungslos an, allerdings ist klar, unser Protagonist steckt in einem Dilemma. Ich bin gespannt, ob er in diesem Kapitel einen Ausweg findet, wohin mich meine Fantasie lenkt.
Wer bin ich?
3. Kapitel
Meine Augen lassen Spaten und Schaufel nicht los. Obwohl ich kein Experte bin, erkenne ich den makellosen Zustand: Die Geräte wurden noch nie benutzt. Sofort schießt mir derselbe furchtbare Gedanke wieder in den Kopf. Sie stehen hier nicht zufällig. Jemand hat sie bereitgestellt, um mich darin zu vergraben. Wer trachtet mir nach dem Leben – und warum? Wem habe ich etwas getan? Sollte meine furchtbare Ahnung stimmen, reicht das Wo und Wer nicht mehr aus. Ein drittes Wort drängt sich mit brutaler Gewalt in meinen Kopf: Was.
Was bin ich?
Ich jage einen Suchtrupp durch meine eigenen Gedanken, rekapituliere jede Sekunde seit meinem Erwachen. Suche nach Mustern. Bin ich ein mutiger Mann oder bloß ein leichtsinniger Narr? Besitze ich vielleicht eine dunkle, kriminelle Ader, die jetzt erst recht an die Oberfläche drängt? Ich weigere mich, das zu glauben. Wann schlägt Angst in Tapferkeit um, wann in Feigheit? Würde jeder andere in dieser Situation genauso kurz vor dem Wahnsinn stehen? Das Ergebnis ist ernüchternd: Wäre ich der knallharte Typ, für den ich mich gern halten würde, könnte ich der Welt jetzt meinen Zorn entgegenschreien. Doch die Wahrheit ist, dass mir eher zum Heulen zumute ist. Aber genau dieses Unverständnis, diese hilflose Wut über meine Lage, lässt plötzlich Trotz in mir hochkochen. Gegen jede Vernunft entschließe ich mich zu einem Rundgang um das Gebäude.
Es mag in meiner Lage unbedeutend sein, aber es tut mir weh, den Zustand der Villa zu sehen. Das Haus dermaßen verlottern zu lassen, grenzt schon an ein Verbrechen. Der Putz zeigt tiefe Löcher, an vielen Stellen blättert die Fassadenfarbe ab. Plötzlich stocke ich. Wurde dieser Zustand vielleicht absichtlich herbeigeführt? Will jemand der Außenwelt vorgaukeln, dass die Villa seit Jahren unbewohnt ist? Meine Bedenken drohen mich auszubremsen, aber meine Neugier ist diesmal größer. Auf der Rückseite trete ich weiter auf die Lichtung hinaus, um einen Gesamtblick auf das Gebäude zu haben. Von hier aus wirkt es noch pompöser, aber auch erheblich schäbiger. Was will ich hier? Wonach suche ich eigentlich? Es wäre definitiv besser, ich würde schleunigst das Weite suchen. Aber könnte ich durch eine Flucht überhaupt meine Haut retten? Nein. Wer auch immer mich an diesen Ort verschleppt hat, weiß alles über mich – während ich noch nicht einmal meinen eigenen Namen kenne. Ich würde blind in mein Verderben laufen.
Ich setze meinen Weg fort. Auf dem Rückweg zum Springbrunnen stelle ich fest, dass dieser verfallene Prunkbau über keinerlei Seiteneingänge verfügt. Diese Entdeckung vergrößert meine Ratlosigkeit, kann aber unmöglich der Auslöser für meine heftigen Kopfschmerzen sein. Wurde ich mit Tropfen betäubt oder bewusstlos geschlagen? Keine Ahnung. Es ist im Grunde auch egal, denn selbst wenn ich es wüsste, wäre meine Situation dadurch nicht besser und mein Schädelbrummen nicht erträglicher.
Ein Polizist bin ich mit Sicherheit nicht, sonst hätte man mich wegen akuter Inkompetenz längst gefeuert. Ein echter Ermittler hätte nicht so schlampig agiert. Ich habe zwar das Erdgeschoss und die obere Etage durchsucht, aber eine Tür muss ich schlichtweg übersehen haben: den Zugang zum Keller. Die tiefen, mit Laub gefüllten Schächte, an denen ich eben vorbeigekommen bin, lassen keinen Zweifel zu. Unter dieser Villa liegt ein Fundament. Und irgendwo da drinnen gibt es ein Untergeschoss, in dem ich vielleicht mehr über mein Was erfahre. Wo, wer und was bin ich? Wenn man ehrlich ist, existiert ein Mensch ohne diese Antworten überhaupt nicht. Aber ich lebe, zumindest noch.
Ich betrete die Villa, doch so verrückt es klingt: Eine Kellertür gibt es genauso wenig wie mich. Befinde ich mich in einem Spukschloss? Ich untersuche die Treppen – nichts. Ich taste und klopfe gegen die Wände im Flur, höre aber keinen Hohlraum. Es bleibt nur noch die Kombüse, die ich wie ein Irrer leerräume. Auf einmal spüre ich einen unerklärlichen Zeitdruck. Ist es die Gier nach Antworten? Ich verwerfe den Gedanken. Je mehr ich über alles nachdenke, umso unsicherer werde ich. Am Ende treibt es mich zu der Frage, ob ich überhaupt noch erfahren möchte, wer und was ich bin.
Trotzdem reiße ich die Regale heraus. Ein Schlag gegen die Wände dahinter lässt mich schon ans Aufgeben denken. Wütend stampfe ich mit dem Fuß auf den Boden, begib mich auf die Knie und erkenne, dass ich mich tatsächlich auf einer versteckten Luke befinde. Ich rutsche zurück in den Flur, um nach einem Öffnungsmechanismus zu suchen. Am Ende überrascht mich die moderne Technik: Auf leichten Druck hin fährt die Klappe mit dem Gegendruck einer automatischen Kofferraumklappe nach oben. Kaum ist sie zum Stehen gekommen, muss ich staunen. In dem quadratischen Loch geht selbstständig Licht an. Als ich nach unten blicke, rächt sich die Haltung sofort – meine Kopfschmerzen nehmen drastisch zu. Vor mir liegt eine Leiter, die in die Tiefe führt und im Wasser verschwindet. Es wirkt wie der Blick in einen Brunnen. Mit dem feinen Unterschied, dass über der Wasseroberfläche dunkle Gänge abzweigen, die in alle Himmelsrichtungen zu führen scheinen.
Ich bin völlig angespannt, meine Nerven vibrieren. Meine Hände zittern, allerdings nicht aus Angst, sondern wegen der körperlichen Anstrengung. Mein nächster Schritt muss gut überlegt sein, er kann mich Kopf und Kragen kosten. Wenn ich die Leiter hinabsteige, um die Gänge zu erkunden, gehe ich ein riesiges Risiko ein. Sollte mein Entführer währenddessen auftauchen, sitze ich in einer Falle, aus der es kein Entrinnen gibt. Bin ich ein Feigling, wenn ich diese Erkundung unterlasse? Oder fürchte ich mich davor, den Weg nach unten anzutreten, um nicht am Ende erfahren zu müssen, dass ich ein schlechter und böser Mensch bin? Nein, ich bin ganz sicher kein schäbiger Charakter. Ansonsten hätte es wohl kaum jemand geschafft, mich einfach so zu verschleppen. Im Bad vor dem Spiegel habe ich ja deutlich gesehen, dass ich sportlich gebaut und körperlich kein schwächlicher Kerl bin.
Andererseits könnte ich in dem Labyrinth etwas finden, wodurch sich alles erklärt. Vielleicht bin ich das Opfer einer Verwechslung oder ich habe einen Fehler gemacht, der sich eventuell noch reparieren lässt. Wie auch immer: Es mag sein, dass ich kein perfekter Mensch bin, aber wer hat schon eine komplett saubere Weste? Ich muss mich entscheiden: In die Tiefe, alternativ raus aus dem Haus und ab und davon oder bleiben und abwarten, was auf mich zukommt? Andererseits könnte ich in diesem Labyrinth etwas finden, wodurch sich alles erklärt. Vielleicht bin ich das Opfer einer Verwechslung oder ich habe einen Fehler gemacht, der sich noch reparieren lässt. Wie auch immer: Es mag sein, dass ich kein perfekter Mensch bin, aber wer hat schon eine komplett saubere Weste? Ich muss mich endlich entscheiden: In die Tiefe steigen, raus aus dem Haus und auf und davon, oder hierbleiben und abwarten, was auf mich zukommt?
Was tun?
Fortsetzung im Kapitel 4 (spätestens am 25. 05. 2026)
Eine Bitte: Nehmt die Gliederung der Kapitel nicht als endgültiges Inhaltsverzeichnis wahr. Die hier erstellten Kapitel sind bewusst kurz gehalten, um allen Teilnehmenden einen besseren Überblick bieten zu können.
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